Flucht & Migration

Flucht & Migration in Afghanistan

Afghanistan ist eines der Hauptherkunftsländer von Flüchtlingen, die vor Krieg, Verfolgung und Gewalt geflohen sind. Weltweit sind etwa 2,6 Millionen afghanische Flüchtlinge registriert. Den Vereinten Nationen zufolge kommen weitere zwei Millionen nicht dokumentierte afghanische Flüchtlinge hinzu. Ein Großteil der afghanischen Flüchtlinge flieht in benachbarte Länder, zum Beispiel Pakistan oder Iran. Darüber hinaus sind viele Afghaninnen und Afghanen ins Ausland migriert. Unter den geschätzten 5,6 Millionen Afghaninnen und Afghanen (18,4 % der Landesbevölkerung), die das Land verlassen haben, befinden sich auch Arbeitsmigranten. Im eigenen Land sind derzeit zusätzlich fast 1,2 Millionen Menschen auf der Flucht. Schätzungen zufolge leben außerdem 125.000 Flüchtlinge aus Pakistan in Afghanistan.

Die Ursachen für Flucht sind vielseitig: Menschen fliehen vor Unterdrückung und Verfolgung, vor Krieg und Menschenrechtsverletzungen. Flüchtlinge sind aufgrund der Umstände gezwungen, ihr Herkunftsland zu verlassen. Migranten hingegen treffen die bewusste Entscheidung, dies zu tun, insofern sie nicht durch externe Kräfte zur Migration bewogen werden. Ganz besonders junge Menschen erhoffen sich oft bessere Lebensbedingungen und Zukunftsaussichten. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: Arbeit und Einkommen, die gesicherte Versorgung mit Wasser, Strom, Nahrung, Krankenversorgung, Wohnraum etc. – die Liste ist lang. Hinzu kommen jene Menschen, die nach Naturkatastrophen ihre Heimat verlassen müssen. In Afghanistan bedrohen beispielsweise auch extreme Naturereignisse wie Überschwemmungen, Erdrutsche, Dürren und Erdbeben die Lebensgrundlagen betroffener Bevölkerungsgruppen.

2015 kamen knapp 154.000 Afghaninnen und Afghanen nach Deutschland, 2016 waren es etwa 50.000. Allein im Januar 2016 kamen über 12.000 Personen aus Afghanistan in Deutschland an, ab April 2016 waren es jedoch weniger als 3.000 Personen im Monat. 2016 stellten etwa 130.000 Afghaninnen und Afghanen in Deutschland einen Asylerstantrag.

Darüber hinaus ist seit Sommer 2016 eine große Zahl afghanischer Flüchtlinge aus Pakistan und dem Iran nach Afghanistan zurückgekehrt, insgesamt etwa eine Million Personen. Neben der grundsätzlichen Integration vielzähliger Binnenvertriebener, muss auch ein Großteil dieser Menschen vorerst untergebracht und versorgt werden.

Die Bundesregierung beabsichtigt, in Afghanistan Ursachen von Flucht und irregulärer Migration zu mindern und Perspektiven vor Ort zu schaffen. Dies beinhaltet auch die Reintegration von abgelehnten Asylsuchenden oder rückkehrenden Afghaninnen und Afghanen aus den Grenzländern, beispielsweise Pakistan, sowie Migranten und Migrantinnen im Land zu fördern. Seit dem Sturz des Taliban-Regimes 2001 unterstützt sie vielzählige Entwicklungsvorhaben in Afghanistan. Neben dem zivilen Wiederaufbau des Landes ist es ein zentrales Anliegen der deutschen Zusammenarbeit mit Afghanistan, den Aufbau eines rechtsstaatlichen afghanischen Staates zu unterstützen. Dies beinhaltet die Achtung von Menschenrechten sowie deren Schutz, die Bekämpfung von Korruption und Drogenanbau, die Gewährleistung innerer Sicherheit sowie die Schaffung eines verlässlichen Rechtssystems. Darüber hinaus gilt: Dieser Staat muss von seinen Bürgerinnen und Bürgern als legitime Vertretung und Dienstleister zur Sicherung ihrer Grundbedürfnisse anerkannt werden. Er gibt seinen Bürgerinnen und Bürgern Rechtssicherheit und eröffnet ihnen Zukunftschancen, Möglichkeiten der Mitsprache sowie der eigenverantwortlichen, wirtschaftlichen und politischen Gestaltung. Deutschland unterstützt Afghanistan darin, Armut zu bekämpfen, die Regierungsführung und die wirtschaftliche Situation zu verbessern und damit eine Grundlage für nachhaltige Stabilität und Sicherheit zu schaffen.

Auf der Afghanistan-Konferenz im Oktober 2016 in Brüssel hat die Bundesregierung ihr Engagement in Afghanistan bekräftigt und eine zukünftige finanzielle Unterstützung zur Stabilisierung und dem zivilen Wiederaufbau des Landes zugesagt. Das umfasst die finanzielle Förderung zahlreicher ziviler Unterstützungsmaßnahmen in Afghanistan.

Neben der Zusammenarbeit mit zahlreichen afghanischen Partnern in den Bereichen Wasserversorgung, Energie, Bildung, Gesundheit und Wirtschaft arbeitet die Bundesregierung mit dem afghanischen Ministerium für Flüchtlinge und Repatriierung und mit Provinz- und Gemeindeverwaltungen sowie mit dem afghanischen Finanzministerium zusammen, um die Situation der Binnenvertriebenen zu verbessern und Menschen vor Ort gegen Naturkatastrophen zu wappnen. Dies soll dazu beitragen, die Lebenssituation von Menschen in Notsituationen vor Ort zu verbessern und diese unmittelbar auffangen zu können.

Was die Bundesregierung weltweit unternimmt, um Ursachen von Flucht und irregulärer Migration zu mindern, Aufnahmeregionen zu stabilisieren, Flüchtlinge zu unterstützen und Chancen von Migration zu nutzen, können Sie auf den Seiten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und des Auswärtigen Amtes (AA) nachlesen.

Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller

"Fluchtursachen mindern heißt in Entwicklung investieren.“

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller

 

 

Was ist notwendig?

Seit 2001 kann Afghanistan bedeutende Fortschritte in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Infrastruktur, Frauenrechte sowie in der staatlichen Verwaltung vorweisen. Diese Fortschritte müssen gesichert und weiter ausgebaut werden. Gleichzeitig soll eine Destabilisierung des Landes verhindert werden. Aus diesem Grund haben Präsident Ashraf Ghani ebenso wie viele Vertreterinnen und Vertreter der afghanischen Zivilgesellschaft immer wieder vor einem „Braindrain“ gewarnt, nämlich einer Abwanderung häufig gut ausgebildeter junger afghanischen Bürgerinnen und Bürger.

Um den Ursachen von Flucht entgegenzuwirken, gilt es, zur stabilen Sicherheitslage des Landes beizutragen und politische Verfolgung, militärische Machtmonopole und Extremismus zu bekämpfen. Außerdem ist es erforderlich, der afghanischen Bevölkerung im eigenen Land Zukunftsaussichten aufzuzeigen. Dazu gehört auch, Maßnahmen zur Reintegration von Rückkehrern zu unterstützen.

Das Vertrauen der afghanischen Bürgerinnen und Bürger in den eigenen Staat muss wieder aufgebaut werden. Neben einer Vielzahl von Infrastrukturmaßnahmen, wirtschaftlichen Fördermaßnahmen und dem Ausbau der Trinkwasser- sowie Stromversorgung gehören auch die Korruptionsbekämpfung, Schaffung rechtsstaatlicher Mechanismen sowie eine funktionierende Verwaltung zu den Herausforderungen, denen sich der afghanische Staat mit Unterstützung der Bundesregierung stellt, um seinen Bürgerinnen und Bürgern eine Zukunft zu ermöglichen.

Einblicke und Beispiele finden Sie HIER.

Was wurde bisher erreicht?

Seit 2009 hat die Bundesregierung mehr als 3,17 Milliarden Euro in Vorhaben zur Entwicklung des Landes investiert – Schwerpunkte liegen in den Bereichen Gute Regierungsführung, Gesundheit, Energie, Wasser, Bildung einschließlich Beruflicher Bildung sowie Wirtschaft und Beschäftigungsförderung. Die Förderprogramme sind vielseitig und reichen vom Ausbau der Infrastruktur über den Bau vielzähliger Gesundheitszentren und Energieproduktionsstätten bis hin zu Weiterbildungen und Beschäftigungsförderung.

Ziel ist es, den afghanischen Bürgerinnen und Bürgern Perspektiven im eigenen Land aufzuzeigen und die afghanischen Behörden darin zu unterstützen, Dienstleistungen für die afghanische Bevölkerung angemessen umzusetzen. Von den geförderten Vorhaben profitieren aktuell etwa 22 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner in Afghanistan. Das entspricht mehr als zwei Dritteln der Gesamtbevölkerung.

Die Erfolge können sich sehen lassen. Details können Sie der aktuellen Datenübersicht  rund um die deutsche Zusammenarbeit mit Afghanistan entnehmen. Hier ein paar Beispiele:

  • Seit 2009 wurden 350 Ausbildungsstätten neu gebaut, erweitert oder renoviert (davon 169 Grundschulen, 124 weiterführende Schulen, 15 Universitäten, 42 berufsbildende Schulen), von denen ca. 365.000 Personen profitieren.
  • Seit 2010 konnten knapp 7.500 nachhaltige Stellen sowie 33 Geschäfte und 18 Fabriken geschaffen bzw. ausgestattet werden.
  • Mehr als 75.000 junge Personen absolvierten zwischen 2012 und 2015 eine berufliche Ausbildung, davon nahezu 20 % Frauen.
  • Seit 2009 wurden nahezu 730.000 Personen weitergebildet, davon 135.000 Frauen.
  • Über 77.000 Hausanschlüsse zur Wasserversorgung wurden seit 2009 neu gelegt, von denen knapp 400.000 Personen profitieren.
  • etc.

Welche Ziele hat sich die deutsche Zusammenarbeit mit Afghanistan gesetzt?

Mit Hilfe der aktuellen Unterstützungsmaßnahmen Afghanistans gilt es, Fluchtursachen zu mindern und, jenseits von Armut und Extremismus, afghanischen Bürgerinnen und Bürgern Zukunftsaussichten im eigenen Land aufzuzeigen, vor allem in den Nordprovinzen Afghanistans:

  • Zugang zu Bildung für Jungen und Mädchen
  • Zugang zu beruflicher Bildung
  • Beschäftigungsmöglichkeiten für Männer und Frauen auf dem Land
  • Reparatur und Ausbau der Infrastruktur
  • Reformierung der öffentlichen Verwaltung
  • Ausbau des Rechtsstaats, demokratischer Strukturen und Korruptionsbekämpfung
  • Erweiterung und Ausbau von Energiekraftwerken, Trinkwassersystemen und Gesundheitseinrichtungen
  • Unterstützung bei der Rückkehr und Reintegration afghanischer Flüchtlinge sowie Migranten und Migrantinnen in Afghanistan

Interviews

Interview mit Arno Tomowski, Koordinator der Aktivitäten der GIZ zu den Themen Flucht und Migration 

Videos

GIZ Video Thumbnail pictureBinnenvertriebene siedeln sich zumeist an den Rändern großer Städte an, wo die Grundstückspreise niedriger sind, es jedoch oft am Nötigsten fehlt. Ihre Ankunft erhöht den Druck auf den Arbeitsmarkt und die örtliche Infrastruktur, was häufig zu Konflikten mit der ansässigen Bevölkerung führt. Den Binnenvertriebenen selbst fehlt es zumeist an Mitteln und Perspektiven. Hier setzt die Arbeit der GIZ an. https://www.giz.de/fluchtundmigration/de/html/3562.html

 

Perspektiven in Afghanistan schaffen

Fachkräfte für Wiederaufbau und Entwicklung des Landes

Um die Managementfähigkeiten afghanischer Fachministerien und wichtiger Institutionen zu erhöhen, unterstützt die Bundesregierung die Vermittlung sogenannter Integrierter Fachkräfte sowie Rückkehrender Fachkräfte in den afghanischen Arbeitsmarkt. Sie unterstützen vorwiegend afghanische Fachministerien sowie wichtige Institutionen und Verwaltungen. Qualifizierte Fach- und Führungskräfte können helfen, klare und effiziente Strukturen auszubauen, Führungsqualitäten zu vermitteln und intransparente Prozesse zu vermeiden. Dank ihres mehrheitlich afghanischen Hintergrunds können diese Personen Schlüsselpositionen einnehmen und wirken federführend an wichtigen ordnungs- und strukturpolitischen Veränderungsprozessen mit.

Die vermittelten Fachkräfte arbeiten in den Bereichen gute Regierungsführung, Sicherheit, Innen- und Außenpolitik, Wirtschaft, Transport, Bildung, höhere Bildung sowie Kultur und Medien, wo sie ihr Fachwissen an ihre Kolleginnen und Kollegen weitergeben.

Seit 2002 wurden im Auftrag der Bundesregierung mehr als 100 Integrierte Fachkräfte in Schlüsselpositionen in Afghanistan vermittelt. Derzeit sind 13 Integrierte Fachkräfte in Kabul und der Provinz Balkh sowie 16 Rückkehrende Fachkräfte (Stand Januar 2017) landesweit tätig. Weitere Informationen zur Fachkräfteintegration in Afghanistan finden Sie hier.

Binnenvertriebene integrieren

Binnenvertriebene fliehen innerhalb ihres Landes in einen anderen Landesteil, ohne dabei die Landesgrenze zu überschreiten. So auch in Afghanistan. Im Jahr 2015 schätzte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) die Zahl der Binnenvertriebenen in Afghanistan auf nahezu 1,5 Millionen, Tendenz steigend. Die Versorgungslage von Binnenvertriebenen ist meist schlechter als die der ortsansässigen Bevölkerung – es fehlt an Unterkünften, ausreichend Nahrung, Wasser, medizinischer Versorgung, Bildung und Arbeit.

Im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe unterstützt das Projekt Integration von Binnenvertriebenen in Afghanistan die Binnenvertriebenen bei der Integration in den neuen Wohnort. Das Ziel: Binnenvertriebene sollen ihren Lebensunterhalt wieder selbst bestreiten können. Mit Hilfe von Schulungen werden afghanische Fachkräfte der Ministerien sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen dazu ausgebildet, notwendige Maßnahmen zur Unterstützung bedürftiger Vertriebener zu erfassen und ordnungsgemäß durchzuführen.

Beispiele bereits umgesetzter Hilfsmaßnahmen, die die Lebensbedingungen betroffener Binnenvertriebener deutlich verbessern, sind: zwei Schulen für circa 2.750 Familien, 76 neue Trinkwasserbrunnen, 344 temporäre Unterkünfte für besonders gefährdete Familien, Aus- und Fortbildungen in den Bereichen Weben, Nähen oder Lehmbau für rund 2.000 Personen, Trainings zur Konfliktbewältigung und Hygienevorsorge für Binnenvertriebene sowie Grundkurse im Lesen und Rechnen für mehr als 7.600 Personen. Detaillierte Informationen zum Vorhaben finden Sie hier.

Durch Einkommensmöglichkeiten und Beschäftigung neue Chancen ermöglichen

Videobeitrag Wirtschaftsförderung in Afghanistan: https://www.giz.de/fluchtundmigration/de/html/1418.html

Jährlich drängen rund 800.000 Jugendliche auf den Arbeitsmarkt, mit geringer Hoffnung auf eine angemessene Anstellung. Dies hat gleich zwei Gründe: Auf der einen Seite sind Arbeitsplätze in Afghanistan knapp. Auf der anderen Seite genügen Ausbildungen oft nicht dem tatsächlichen Anspruch des Arbeitsmarkts und der notwendigen beruflichen Tätigkeit. Es fehlt an praktischen Erfahrungen sowie Know-how, um wirtschaftliche Prozesse effizient und effektiv zu gestalten.

Die Bundesregierung hilft durch Finanzierungsmöglichkeiten für unternehmerische Ideen und durch Programme, die örtliche Wirtschaft anzukurbeln. Landwirte, Zulieferer, Verkäufer, Unternehmer, Verbände und politische Akteure erhalten technische, organisatorische und betriebswirtschaftliche Weiterbildungen und fachliche Unterstützung. Durch Veranstaltungen wie beispielsweise Messen wird ein aktiver Austausch und Handel gefördert. Darüber hinaus unterstützen einzelne bauliche Maßnahmen die Verbesserung der wirtschaftlichen Infrastruktur. Auch Bewässerungssysteme und Lagerhallen haben stark zur Verbesserung landwirtschaftlicher Produktionsstätten und -prozesse beigetragen.

Lukrativere Einkommensmöglichkeiten für alle Bevölkerungsgruppen schaffen Zuversicht und fördern zudem den sozialen Zusammenhalt – für eine berufliche Zukunft in Afghanistan. Seit 2010 konnten so knapp 7.500 nachhaltige Stellen geschaffen werden. Innovationen wurden angeregt, Märkte erschlossen und Produktionsprozesse effizienter gestaltet – das hat auch zur Steigerung der Einkommen vieler Unternehmerinnen und Unternehmer beigetragen. Weitere Informationen zur Unterstützung der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung und Beschäftigungsförderung im Auftrag der Bundesregierung finden Sie hier.

Bildung und Ausbildung – Schlüssel für eine bessere Zukunft

Students at a TVET school„Bildung und Ausbildung ist unser Pass für die Zukunft“ (Wolfgang Gerhardt, deutscher Politiker). Wirtschaftlicher Aufschwung und Bildungsniveau – das sind zwei Seiten derselben Medaille. Nur eine besser gebildete Generation kann Zukunftschancen nutzen und zu einer positiven Entwicklung des Landes beitragen. Drei Jahrzehnte kriegerischer Auseinandersetzungen und das Taliban-Regime haben ihre Spuren hinterlassen: Unter der Taliban-Regierung besuchten nur knapp eine halbe Million Kinder die Schule, Mädchen konnten nur im Verborgenen lernen. Inzwischen gehen wieder rund neun Millionen Kinder in die Schule. 74 % der Mädchen und 98 % der Jungen im Grundschulalter nehmen heute am Unterricht teil.

Programme der Bundesregierung fördern im Bereich der Berufsausbildung die Aus- und Weiterbildung der Berufsschullehrkräfte – weg von einem theorielastigen Unterricht hin zu einer praktischen Ausbildung, die sich an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes orientiert. Aktuell werden fast 1.000 junge Menschen zu Lehrerinnen und Lehrern an neu erbauten Berufsschulen in Kabul und Mazar-e Sharif ausgebildet. Außerdem wird die Zusammenarbeit von Bildungsinstituten und Unternehmen angeregt, in denen Auszubildende Praktika absolvieren und den Berufsalltag kennenlernen, um deren Berufseinstieg zu erleichtern. Aktueller Zwischenstand des seit 2014 agierenden Vorhabens Förderung der beruflichen Bildung (TVET): In Kabul, Mazar-e Sharif und in der Provinz Kunduz wurden sechs Berufsschulen gebaut beziehungsweise renoviert. 50 weitere Berufsschulen haben eine Basisausstattung für Werkstätten und Möbel für Unterrichtsräume erhalten, sechs neue gewerblich-technische Ausbildungsberufe konnten entwickelt und an 35 Berufsschulen eingeführt werden. In den neuen Berufsschulen absolvieren derzeit mehr als 11.000 Jugendliche eine Ausbildung. Ein Berufsbildungsinstitut in der Provinz Takhar, welches aktuell fertiggestellt wird, wird im Laufe dieses Jahres etwa 620 Studierende in den Bereichen Automechanik, Elektrik, Maschinenbau, Installation, Verwaltung, Rechnungswesen, Handel und IT ausbilden können.

Betrachtet man den gesamten Bildungsbereich, wurden seit 2009 insgesamt 350 Ausbildungsstätten neu gebaut, erweitert oder renoviert (davon 169 Grundschulen, 124 weiterführende Schulen, 15 Universitäten, 42 berufsbildende Schulen). Diese Maßnahmen der Zusammenarbeit mit Afghanistan kommen etwa 365.000 Personen zugute. Nähere Informationen zur Förderung von Bildungsmaßnahmen und Ausbildung finden Sie hier.

Eine friedliche Zukunft – für alle Afghaninnen und Afghanen

International Children's day - kids painting for the 'pictures of hope' exhibitionEin Leben jenseits von Kriminalität und Extremismus – das soll allen Afghaninnen und Afghanen ermöglicht werden. Hier greift das 2004 eingerichtete Vorhaben Ziviler Friedensdienst (ZFD). Ziel ist es, Frieden zwischen Ethnien, Religionen und sozialen Schichten zu stärken – mittels Selbstreflexion, kreativer Bewältigung von Angst und Wut, Vertrauensbildung, gewaltfreier Kommunikation, konstruktiver Kritik, Selbsthilfe und Streitschlichtung. Mit der Unterstützung des ZFD konnten so bereits langfristige Friedensziele verwirklicht werden: Über ethnisch-sprachliche Grenzen und über traditionelle Geschlechterrollen hinweg wurden vielerorts Veränderungen angestoßen. Beispielsweise wirkt das Vorhaben aktiv an der Reintegration jugendlicher Straftäter in Jugendhaftanstalten mit – um diesen eine Perspektive im Anschluss an ihren Aufenthalt in der Strafanstalt zu ermöglichen. Außerdem werden aktuell Straßenkindern Bildungsmöglichkeiten angeboten und deren gesellschaftliche Integration wird unterstützt. Weitere Informationen zur Unterstützung zivilgesellschaftlicher Friedensprozesse finden Sie hier.
 

Eine landesweite Gesundheitsversorgung – neue Aussichten schaffen

New facilities open at the Kunduz Regional Hospital with funding from Germany.

Für den Großteil der Bevölkerung Afghanistans bleibt eine angemessene medizinische Versorgung außer Reichweite: Vielerorts sind Kliniken, Gesundheitszentren und Krankenhäuser nur nach mehreren Tagen Anreise zu erreichen. Mit dem Neubau moderner Gesundheitsinfrastruktur, der Ausstattung vieler Gesundheitszentren und der Fortbildung des medizinischen Personals wird die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung verbessert – auch in ländlichen Gebieten. Die neuen Krankenhäuser sind nach Kriterien moderner Hygienestandards und der Energieeffizienz gebaut und bieten so ein verbessertes Gesundheitsklima für Patientinnen und Patienten ebenso wie für das Personal. Zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen erleichtern es der lokalen Bevölkerung, Gesundheitszentren außerhalb ihrer Ortschaft zu erreichen.

Neben verbesserten diagnostischen Methoden in vielen afghanischen Gesundheitseinrichtungen kommen auch innovative Technologien wie die Telemedizin zum Einsatz. Seit 2009 wurden landesweit 58 Krankenhäuser und Gesundheitszentren gebaut und saniert, wovon mehr als drei Millionen Menschen profitieren. Nähere Informationen zum Ausbau der landesweiten Gesundheitsversorgung und zu deren Optimierung finden Sie hier.

 

#RumoursAboutGermany – Aufklärungskampagne in Afghanistan

Das Auswärtige Amt hat in Afghanistan im Rahmen seiner Aufklärungskampagne gegen falsche Gerüchte und Lügen von Schleppern eine umfassende Kampagne gestartet. Über alle Kanäle – von Radio und Fernsehen bis in die sozialen Medien, von Kommunikation der Botschaft bis zu zivilgesellschaftlichen Veranstaltungen – sollen Afghaninnen und Afghanen, die eine Flucht bzw. Migration nach Europa in Erwägung ziehen, ein realistisches Bild erhalten und davor bewahrt werden, auf Grundlage falscher Informationen ihr Leben auf dem Weg nach Europa zu riskieren. Das Ziel ist Aufklärung, nicht Abschreckung. Denn eine solch bedeutende Entscheidung soll nicht auf Desinformationen von Schleppern beruhen.  http://www.rumoursaboutgermany.info

#RumoursAboutGermany

Do not believe the rumours and false information deliberately spread by human traffickers about the allegedly easy trip and the easy life in Germany.

Do not risk your lives by trying to flee to Europe.

Human traffickers are criminals who are only interested in money. They don’t tell the truth and don’t care about human lives.

Germany is withdrawing its support for Afghanistan?

Wrong! Germany will continue to support Afghanistan and to persevere in its endeavours to stabilise the country by training the Afghan armed forces and helping people in Afghanistan, particularly as regards education and vocational training.

Simply coming from Afghanistan gives you a right to asylum?

This is incorrect! Only people who have been persecuted can hope to be granted asylum.

All the Afghans I know in Europe are successful?

In most cases, refugees invest their own money, and often that of their relatives, in order to reach Europe. It is obvious that they portray this step as a success to the people back home, even if the reality is unfortunately quite different. Many Afghans in Germany who are unqualified or do not speak German are unemployed.

Working in Germany?

The German Government does not provide refugees with jobs. It often takes many years before a refugee is allowed to work legally in Germany.

Welcome payment?

Contrary to rumours and misinformation deliberately spread by human traffickers, Germany does not provide a welcome payment. By spreading such lies, human traffickers knowingly put people’s lives in danger.

Living and benefits in Germany?

The German Government does not provide refugees with jobs. Moreover, the cost of living is considerably higher in Germany than it is in Afghanistan.

You can get by with English in Germany?

German is the only language spoken in everyday life, the public authorities and most companies in Germany.

Germany has 800,000 places for immigrants?

Wrong! Residence in Germany is subject to specific legal requirements. Illegal residence is a criminal offence. People who are not granted permission to stay will be deported.