Wirkungen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Wirkungen erzielen, beobachten und kritisch bewerten – so funktioniert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan.

Die Deutsche Zusammenarbeit in Zahlen

HINTERGRUND

Alle Programme der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan werden bereits in ihrer Konzeption darauf ausgerichtet, nachhaltige Wirkungen zu erzielen. Das bedeutet, Vorhaben so auszurichten, dass eine langfristige Nutzung bzw. Wirkung zugunsten der afghanischen Bevölkerung gewährleistet werden soll und die Maßnahmen und Aufgabenbereiche zukünftig von staatlichen und privaten Partnern eigenständig übernommen und durchgeführt werden können. Im Rahmen der Konzeption eines jeden Vorhabens prüft ein Expertenteam die Umsetzbarkeit vor Ort. So wird sichergestellt, dass vorgesehene Maßnahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sinnvoll und nachhaltig sind. Das schließt auch die Beachtung von Menschenrechten sowie Gendersensibilität ein.

Wirkungen sind beabsichtigte Veränderungen, die mittels einer Entwicklungsmaßnahme erreicht werden sollen. Um diese nachzuweisen, werden Entwicklungsfortschritte einzelner Projekte kontinuierlich beobachtet (Monitoring) und am Ende ausführlich gemäß internationalen Qualitätsstandards bewertet (Evaluierung).

Seit Ende 2009 wurden Daten zur deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan mit Hilfe des sogenannten Tracking Systems in den Bereichen Baumaßnahmen, Finanzdienstleistungen, Aus- und Fortbildungsmaßnahmen sowie Sonstige erfasst. Dieses Tracking System wurde im Zuge der Entwicklungsoffensive Nord im Jahr 2010 entwickelt, um durchgeführte Maßnahmen zu erfassen, eine zuverlässige Berichterstattung zu gewährleisten und vor der Öffentlichkeit und den Steuerzahlern Rechenschaft über verwendete Mittel sowie die damit erzielten Wirkungen abzulegen.

2014 wurde das Tracking System zum Deutschen Development Tracker für Afghanistan, kurz DevTracker, weiterentwickelt. Die neue Plattform sollte die Ergebnisse, sogenannte Output-Daten, erfassen und qualitativ beschreiben und die erhobenen Daten nutzerfreundlich aufbereiten. Dies dient auch der schnelleren Analyse für eine transparente Berichterstattung. Projektevaluationen werden in Kurzform veröffentlicht und online zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus liefert jedes Vorhaben jährlich Fortschrittsberichte, um über die Umsetzung der Programmkomponenten zu berichten.


Screen shot DevTrackerAktuell werden Daten aus dem DevTracker vorwiegend im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit oder zur Information deutscher und afghanischer Ministerien sowie der Deutschen Botschaft genutzt.

Auf Anfrage können zu konkreten Fragestellungen Datenbankauszüge bereitgestellt werden.

Sollten Sie darüber hinaus zu Forschungszwecken einen Zugang benötigen, bitten wir Sie um eine individuelle Anfrage mit einer kurzen Beschreibung Ihres Forschungsprojekts an: devtracker-afg@giz.de. Nach erfolgter Prüfung kann ein temporärer Zugang bereitgestellt werden.

Stammdaten zu den meisten durch die Bundesregierung geförderten Vorhaben finden Sie außerdem in der frei zugänglichen Datenbank des afghanischen Finanzministeriums: Development Aid Database (DAD).

 


Grundsätzlich zielt Wirkungsmonitoring darauf ab, die Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen zu steigern und so die bestmögliche „Entwicklungsrendite“ der eingesetzten Mittel zu erreichen. So können Fortschritte und auch Defizite aller Projektmaßnahmen besser sichtbar gemacht werden. Aus der Langzeiterfassung und einem damit verbundenen Vergleich können Rückschlüsse gezogen werden, um zukünftige Projekte konzeptionell besser auszugestalten.

UMSETZUNG

Monitoring

Maßnahmen der deutschen Zusammenarbeit mit Afghanistan werden auf verschiedenen Ebenen beobachtet und mit Hilfe von Datenbanken erfasst.

Dies geschieht auf internationaler Ebene gemeinsam mit weiteren internationalen Institutionen:

 

Außerdem wird das Monitoring gemeinsam mit dem Partnerland Afghanistan und seinen Institutionen durchgeführt:

  • Die Datenbank des Finanzministeriums Afghanistans (DAD) spiegelt den Finanzrahmen und das Spektrum der Maßnahmen aller bi- und multilateralen Geber sowie die Programme der deutschen Zusammenarbeit mit Afghanistan wider. Die Datenbank wird jährlich aktualisiert, um neue Daten ergänzt und ist der Öffentlichkeit in den Sprachen Dari und Englisch zugänglich.
  • Neben der konkreten Beobachtung unterstützt die deutsche Bundesregierung afghanische Ministerien mit Beratungsaktivitäten und Kapazitätsaufbau, um Kommunikations-, Monitoring- und Evaluierungsprozesse zu optimieren und effizienter zu gestalten.
  • Durch die deutsche Bundesregierung finanzierte Vorhaben beobachten kontinuierlich Wirkungen durchgeführter Projektaktivitäten innerhalb eines jeden Projekts.

 

Evaluierung

Am Ende eines jeden Projekts wird eine detaillierte Evaluierung durch externe Gutachterinnen und Gutachter gemäß den internationalen Qualitätsstandards (OECD-DAC-Kriterien) durchgeführt. Deren Ergebnisse halten fest, inwiefern geplante Ziele erreicht wurden, wie relevant ein Projekt war, ob es wirksam, nachhaltig und effizient war und ob eine Verlängerung der Maßnahme empfehlenswert wäre. Ergebnisse dieser Auswertung helfen, zukünftige Projekte zu optimieren.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat in seiner Länderstrategie 2014‒17 die strategische Ausrichtung seiner entwicklungspolitischen Prioritäten dargelegt. Die Indikatoren der Länderstrategie geben vor, welche entwicklungspolitischen Ziele nach Laufzeitende erreicht werden sollen, und ermöglichen eine unabhängige Bewertung der Länderstrategie. Zwischenzeitliche Bewertungen greifen aktuelle Entwicklungen auf und helfen, die nachfolgende Länderstrategie zu konzipieren und die Ausrichtung der deutsch-afghanischen Entwicklungszusammenarbeit strategisch anzupassen. Daten des DevTracker fließen dabei in die Entwicklung einer neuen Länderstrategie mit ein. Sie unterstützen die umfassende Auswertung aller Einzelmaßnahmen.

Eine Evaluierung des Gesamtansatzes und der Länderstrategie 2014‒17 wird voraussichtlich im Jahr 2019 erfolgen. Dabei werden unabhängige Gutachterinnen und Gutachter unter anderem auf bereits 2014 und 2015 erhobene, sogenannte Baselinewerte zurückgreifen, um Veränderungen gegenüber der Ausgangssituation messen zu können. Darüber hinaus wird der DevTracker als umfassende Datenquelle dienen, ebenso wie Evaluierungs- und Monitoringdaten aus einzelnen Projekten. Zusätzlich lässt das BMZ im Rahmen des jährlich durchgeführten „Survey of the Afghan People“ in den nördlichen Schwerpunktprovinzen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit weitere Daten in jenen Distrikten erheben, in denen die deutsche Entwicklungszusammenarbeit besonders aktiv ist und in denen sich Entwicklungsveränderungen zeigen.

ERREICHTE WIRKUNGEN

Einige der entwicklungspolitisch tätigen multilateralen oder bilateralen Geber haben ihre Kooperationsansätze und ihre durchgeführten Projekttätigkeiten einer umfassenden Evaluierung unterzogen und die Ergebnisse der internationalen Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Zu nennen sind beispielsweise die US-Audit-Organisation SIGAR, die kanadische Regierung, die norwegische Agentur für Entwicklungszusammenarbeit Norad und auch die Weltbank. Es handelt sich hierbei um herausragende Beispiele für eine umfassende (teils zivil-militärische) Evaluierung und nicht um eine abschließende Zusammenfassung von Evaluierungen aller in Afghanistan engagierten bi- und multilateralen Geber sowie Entwicklungsorganisationen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Aufgrund der großen Entwicklungsbemühungen der internationalen Gemeinschaft haben das afghanische Volk und die afghanische Regierung seit 2001 beachtliche Fortschritte in den Bereichen Bildung und Ausbildung, Gesundheit, Energie, Wassermanagement, institutionelle Qualifizierung von staatlichen und Provinzbehörden sowie auch Verbesserungen bei guter Regierungsführung erreicht. Gleichzeitig deuten die vorhandenen Evaluierungen aber auch auf einige fundamentale Defizite hin, die es zu überwinden gilt. Darunter fallen beispielsweise die mangelhafte Anerkennung der Menschenrechte, sehr limitierte Fortschritte bei den Frauenrechten, hohe Schulabbrecherquoten, niedrige Einschulungsquoten für Mädchen, weiterhin hoher Analphabetismus, ein viel zu niedriges Wirtschaftswachstum sowie die Korruption innerhalb der afghanischen Regierung.

Die meisten Evaluierungen belegen aber auch Defizite bei den multilateralen und bilateralen Gebern selbst. So ist eine mangelhafte Koordinierung der Tätigkeiten zwischen den Geberländern und Hilfsorganisationen zu verzeichnen. Die zivil-militärische Kooperation war außerdem ungenügend und nicht gut abgestimmt. Häufig wurden institutionelle Parallelstrukturen aufgebaut und zu wenig darauf geachtet, die afghanischen Regierungsinstitutionen auf zentraler und lokaler Ebene zu stärken. Bei der zivilen und militärischen Zusammenarbeit wurde zu wenig auf die Auswahl der Akteure und Partnerinstitutionen geachtet. Entwicklungsaktivitäten wurden unausgewogen auf die Provinzen verteilt, während auf afghanischer Seite die institutionellen Kapazitäten für die Umsetzung der Entwicklungsaktivitäten nicht ausreichend vorhanden waren. Dies hat unter anderem dazu geführt, dass sich die weit verbreitete Korruption teils noch verschlimmert hat.

Die Ergebnisse der Evaluierungen belegen eindrucksvoll, dass die Entwicklungsvorhaben teils große Wirkungen erzielt und die Lebensqualität vieler Bevölkerungsgruppen in Afghanistan deutlich verbessert haben. Gleichzeitig sind die staatlichen Institutionen immer noch sehr schwach und wenig akzeptiert. Die unbeständige und sich verschlechternde Sicherheitslage bereitet vielen Afghaninnen und Afghanen Sorgen und es fehlt an ökonomischen und politischen Zukunftsperspektiven. Hier gilt es, mit veränderten Konzepten und Strategien anzusetzen, um gezielt Fortschritte auf diesen Gebieten zu erreichen.

Aktuelle Ergebnisse der deutschen Zusammenarbeit mit Afghanistan sind in der Datenübersicht zusammengefasst und stellen die Fortschritte der durch die Bundesregierung finanzierten Maßnahmen dar.